Betonkunst in der dritten Dimension

 

Die Explosionen in einer Feuerwerksfabrik verwüsteten im Jahr 2000 ein ganzes Viertel in der niederländischen Kleinstadt Enschede. In den Jahren danach ersteht der Stadtteil Roombeek als architektonisches Glanzstück wieder auf. RECKLI wirkt an einem der Highlights mit und entwickelt für die Fassadengestaltung des Jan Cremer Museums eigens eine neue Technik. Das Ergebnis ist so überzeugend, dass es eine neue Produktklasse begründet.

Das Jan Cremer Museum ist ein architektonisches Schmuckstück der niederländischen Kleinstadt Enschede. Gemeinsam mit Branchenstar Rem Koolhaas verwandelten die Architekten des niederländischen Büros SeARCH ein altes Warenhaus in ein modernes Ausstellungsgebäude. Das Museum stellt Werke des niederländischen Malers und Schriftstellers Jan Cremer aus und präsentiert zudem die Arbeiten von Nachwuchskünstlern.

Die Planer wollten den Look der alten Lagerhalle auffrischen, ohne die Geschichte des Gebäudes zu verleugnen. Immerhin steht das Warenhaus wie ein Mahnmal an historischer Stelle in Enschede: Die Balen-Halle war Teil des historischen Werksgeländes der Bamshoeve Spinnerei, jahrzehntelang wurde hier Baumwolle gelagert und verarbeitet. Am 13. Mai 2000 machen zwei gigantische Explosionen in der nahegelegenen Feuerwerksfabrik 42 Hektar Stadtgebiet dem Erdboden gleich, es gibt Tote und Verletzte. Die Kraft der Explosion ist so gewaltig, dass selbst Messgeräte im mehr als 600 Kilometer entfernten Bayerischen Wald darauf reagieren. Im Stadtteil Roombeek bleibt kaum ein Stein auf dem anderen, ein Großteil des alten Baumwollfabrikgeländes wird zerstört. Nur die Balen-Halle bleibt stehen.

 

Das Gebäude ist gleichzeitig Symbol für Vergangenes und den Aufbruch ins Neue. Die Architekten standen vor der Herausforderung, die baulichen Gegebenheiten mit dem neuen Nutzungskonzept in Einklang zu bringen. Um dem Innenraum einen authentischen Museumscharakter zu verleihen und den Anforderungen an einen öffentlichen Bau gerecht zu werden, beschlossen sie deshalb, die Raumhöhe von 2,20 Metern auf 4 Meter anzupassen. Dafür wurde der Fußboden im Erdgeschoss um 1,50 Meter abgesenkt. Im ersten Stock konnte die Raumhöhe beibehalten werden, weil hier die Gebäudetechnik untergebracht ist. Im oberen Teil der Lagerhalle wurde die Trägerkonstruktion vorsichtig freigelegt und angehoben. Anschließend konnte ein gläsernes Zwischengeschoss eingezogen werden, das genügend Platz und Licht für die Dauerausstellungen bietet. Das Glas setzt im Zwischengeschoss Akzente und prägt auch das Fassadenbild.

Während eine Seite des Gebäudes von einem gläsernen Vorbau dominiert wird, beeindruckt die Seitenansicht des Jan Cremer Museums mit dreidimensionalen Darstellungen: Mithilfe speziell angefertigter Matrizen von RECKLI gelang es, die Abbildung des Buchdeckels von Cremers erstem Buch ›Ich, Jan Cremer‹ plastisch auf die Fassade zu bringen. »Unser 3D-Verfahren ist eigens für die Fassadengestaltung des Jan Cremer Museums in Enschede entwickelt worden«, erklärt Dr. Bernd Trompeter, Geschäftsführer von RECKLI. Möglich wird der beeindruckende Effekt an der Fassade durch eine spezielle Technik, die eine dreidimensionale Abbildung von Fotos, Bildern und Zeichnungen gestattet. Dabei handelt es sich um ein computergestütztes Verfahren, bei der eine Software die Bilder zunächst einliest und daraus eine dreidimensionale Datei errechnet. Anhand dieser Daten wird die 3D-Struktur mit ihren unterschiedlichen Ebenen anschließend auf einen Plattenwerkstoff übertragen, sodass ein Positivmodell entsteht. Das gefräste Modell bildet dann die Vorlage für die Fertigung der Matrizen.

Für das Museum diente das Cover von Cremers erstem Buch als Vorlage. Es zeigt ihn auf einem Motorrad sitzend, die Software übersetzte das Bild in eine so plastische Struktur, dass man meint, der Motorradreifen habe gerade erst sein Profil in den Beton geprägt. »Das Pilotprojekt in Enschede kam so gut an, dass wir beschlossen haben, 3D-Matrizen in unsere Produktpalette aufzunehmen«, erzählt Trompeter. Seit 2012 sind die Matrizen regulär im Programm.

Die Formen werden wie alle RECKLI-Matrizen mit flüssigen Elastomeren gegossen und sind nach dem Aushärten so elastisch und robust, dass sie mehrmals wiederverwendet werden können. Abhängig vom Kundenwunsch können 3D-Matrizen in jeder Größe hergestellt werden, dafür wird die Vorlage skaliert und das Bild wenn nötig aus mehreren Matrizen zusammengesetzt. Die Stöße sind schwach als Naht erkennbar. In enger Absprache mit den Planern stellen die Fachleute des Unternehmens sicher, dass das Ergebnis höchsten optischen Ansprüchen genügt. Detailtreue und Wiederverwendbarkeit der Matrizen erlauben es Architekten und Bauherren, individuelle Gestaltungsideen wie die in Enschede wirtschaftlich umzusetzen.

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