Design, das unter die Haut geht

›Art in concrete‹ lautet der Leitspruch hinter RECKLI artico. Eine innovative Technologie der Entaktivierung von Beton ermöglicht die punktgenaue Auswaschung der Oberfläche – der Gestaltungsfreiheit sind keine Grenzen gesetzt.

Beton nicht nur zu strukturieren, sondern auch mit optischen Effekten zu gestalten – das ist der Anspruch des jüngsten RECKLI-Produkts artico. Indem die oberste Zementhaut partiell abgetragen wird, werden Fotos, Bilder, individuelle Designs oder Grafiken in Beton dargestellt. »Artico erzielt die größtmögliche Wirkung mit geringstmöglichem Aufwand«, sagt Lutz Hammer, Marketingleiter bei RECKLI. Dass die Motive lichtunabhängig wahrnehmbar sind, ist ein entscheidender Unterschied gegenüber Fotogravur-Matrizen, die vor allem im Außenbereich zum Einsatz kommen. Deren Motive erscheinen je nach Sonnenstand sprichwörtlich in einem anderen Licht. Die mit artico erzielten Effekte sind aus jedem Blickwinkel und in jedem Licht erlebbar, deshalb kann das Produkt sowohl an der Fassade als auch bei Sichtbetonflächen im Innenraum eingesetzt werden.

Die einfache Handhabung spielt bei artico wie bei allen RECKLI-Produkten eine wichtige Rolle. Nach den Vorgaben und Wünschen des Kunden entsteht zunächst das Design. Anschließend wird das Motiv per Siebdruckverfahren auf eine Kunststoff- oder Magnetfolie gedruckt. Dabei wird ein Oberflächenverzögerer auf die Folie aufgebracht, der später punktgenau im Beton arbeitet.

Die Folie wird im Fertigteilwerk in die Schalung eingelegt. Ohne zu knittern wird sie flach in die Schalung gelegt und bewirkt ein zeitlich versetztes Abbinden des Betons. Wenn der Beton ausgehärtet und die Elemente entschalt sind, kann die Folie abgezogen und die Oberfläche ausgewaschen werden. Beim Auswaschen wird die oberste Zementhaut abgelöst und das darunter liegende Gesteinskorn freigelegt. Die Auswaschtiefe liegt bei rund 1 Millimeter und sorgt für Hell-Dunkel-Effekte, die das Motiv hervortreten lassen. Durch das Auswaschen der Zementhaut verändert sich nicht nur die Optik sondern auch die Beschaffenheit der Oberfläche, der Beton wird haptisch erlebbar.


Ein Blick nach Maastricht zeigt, welche detaillierten Darstellungen mit artico möglich sind. Dort verbindet eine Eisenbahnunterführung die beiden Gemeinden Limmel und Nazareth. Der niederländische Künstler Michiel Kluiters ersann für den Tunnel ein Design, das die Nachbarschaft auf besonderer Weise deutlich machen soll: Eine Seite des Tunnels wird von Betonelementen mit Straßennamen beherrscht, die nach Art einer Zieharmonika aneinandergereiht sind. »Wer den Tunnel durchfährt, sieht jeweils Straßennamen aus dem Bezirk, aus dem er gerade kommt«, erklärt Kluiters. Steht man direkt vor der Wand, kann man die Namen aus beiden Gemeinden lesen. Auf der anderen Seite des Tunnels zeichnen sich Fahrräder, Autos, Motorräder usw. im Beton ab.

Kluiters hat für sein Projekt ›Via 2014‹ unter anderem Pferde, Kinderwagen, Seniorenroller und Rollschuhe abgelichtet – nichts war vor seiner Kamera sicher. »Das sind alles Transportmittel, die die Bewohner der beiden Stadtteile jeden Tag nutzen«, erzählt Kluiters. Die Bilder hat der Designer anschließend in Grafiken umgewandelt, die dann auf artico-Folien gedruckt wurden. »Das war ein bisschen zeitaufwändig, aber das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand auf jeden Fall.« Jeder Abbildung ist eine Hausnummer zugeordnet, zu der ein Straßenname auf der gegenüberliegenden Seite gehört. Je näher man den Grafiken kommt, umso deutlicher treten die einzelnen Pixel hervor, mit denen die Bilder auf die Folien gebracht wurden. »Das Verfahren funktioniert mit dieser Art von Bildern sehr gut, man kann sogar jede Speiche des Fahrradreifens sehen«, so der Designer. Das Bild bleibt dennoch als Ganzes erlebbar. Die Pixelgröße und das Raster werden stets individuell mit dem Kunden abgestimmt und variieren abhängig vom Betrachtungsabstand. In den Abendstunden erstrahlt ›Via 2014‹ zudem in farbigem LED-Licht, das dem Kunstwerk noch eine weitere Dimension gibt.

»Die Idee zu artico entstand, weil Architekten uns immer wieder auf Fotobeton angesprochen haben«, erzählt Hammer. »Für uns als Spezialist auf dem Gebiet Architekturbeton war es da nur logisch, diese Nachfrage zu befriedigen und unseren Kunden ein entsprechendes Produkt anzubieten.« Dank der innovativen Technik ist nahezu jedes Design an der Betonoberfläche zweidimensional umsetzbar.

Kaum auf dem Markt, wurde artico 2015 mit einem Sonderpreis des German Design Awards ausgezeichnet. In der Kategorie ›special mention‹ prämiert die Jury Produkte, die innovative und einzigartige Gestaltungstrends setzen und damit in der deutschen und internationalen Designlandschaft richtungsweisend sind.

Fotos: J. Konrad Schmidt & Bert Janssen

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