NACHHALTIGER LEHRKÖRPER

Eine chinesisch-italienische Kooperation steckt hinter der umweltfreundlichen Renovierung des Yunchou-Gebäudes in Shanghai. Die Fassade hat hingegen eine Verbindung nach Herne.

Seit ihrer Gründung ist die Tongji Universität in Shanghai eng mit Deutschland verbunden. Ihr Vorläufer, die 1907 gegründete Deutsche Medizinschule für Chinesen in Shanghai, sollte deutsche Kultur und Errungenschaften im chinesischen Raum populär machen. 1912 wurde ihr die Deutsche Ingenieurschule für Chinesen in Shanghai angeschlossen, deren Lehrwerkstatt mit Technik führender deutscher Unternehmen ausgestattet wurde.

Obwohl die französische Kolonialmacht die Schule 1917 schloss, wurde der Lehrbetrieb provisorisch weitergeführt, bis die Regierung die Lehreinrichtung 1923 als Universität anerkannte. Ein Jahr später eröffnete sie offiziell als Tongji Universität. Bis heute hat die Universität eine starke Verbindung nach Deutschland: die Einrichtung hat Partnerschaften mit mehreren deutschen Hochschulen und bietet Sommerakademien an. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl ist Ehrenprofessor, sein Nachfolger Gerhard Schröder, Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Ex-Siemens-Manager Heinrich von Pierer sind Ehrendoktoren. 

Die Tongji Universität ist dem chinesischen Bildungsministerium direkt unterstellt und fokussiert sich auf Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften sowie Architektur. Die School of Economics and Management genießt landesweit einen sehr guten Ruf; Teile ihrer Einrichtungen sind im 1983 gebauten Yunchou-Gebäude untergebracht. Der Name des Gebäudes spiegelt jahrhundertealte chinesische Geschichte: er verweist auf das Management und die Formierung der militärischen Truppen auf dem Schlachtfeld. 

Heute steht Yunchou für die Planung und Verbesserung von Strategien. Ein wichtiger Leitsatz bei Studium von Management – und ein Denkansatz, der bei der Renovierung eine wichtige Rolle spielte. 2014 ging das chinesische Ministerium für Wissenschaft und Technik zusammen mit der Universität und dem italienischen Ministerium für Umwelt, Land und Wasser eine binationale Kooperation ein, um gemeinsam eine nachhaltige Renovierung des Yunchou-Gebäudes zu verwirklichen.

Das in die Jahre gekommene Gebäude sollte energiesparend und umweltfreundlich umgerüstet werden. Dafür wurde es mit Photovoltaik und einer Dach-Begrünung ausgestattet. Das Beleuchtungskonzept und die Klimaanlage wurden effektiver gestaltet, außerdem wurden Maßnahmen zum Wassersparen eingeführt. Ausgeführt wurde die Renovierung unter der Federführung des Architekturinstituts für Planung und Forschung an der Tongji-Universität und dem italienischen Architekturbüro Archea, das bereits seit Jahren in China aktiv ist.

Auch äußerlich wurde das Gebäude modernisiert: Die Fassade ist mit wellenförmig gestalteten Betonelementen versehen, die dem Gebäude ein dynamisches Aussehen verleihen. Die dunkle Färbung wurde mit NAWKAW erzielt. Der Anstrich dringt tief in den Beton ein, färbt ihn nachhaltig und versiegelt die oberste Betonhaut gleichzeitig, um witterungsbedingte Auswaschungen und Schmutzeinschlüsse zu vermeiden.

„Es ist das Ergebnis des Austausches in Architekturdesign und Energieeffizienz sowie verwandten Themen zwischen China und Italien“, sagte Fang Shouen, Vize-Präsident der Universität über das Gebäude. „Es hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Kooperation in Bildung und Forschung zum Thema nachhaltige Entwicklung zwischen China und Italien und sogar Europa zu ermöglichen.“

Das modernisierte Yunchou-Gebäude wurde im Juni 2017 um 110-jährigen Jubiläum der Tongji-Universität wiedereröffnet.

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