50 JAHRE RECKLI

RECKLI wird 50: ZÜNDENDE IDEE BEIM BESUCH AUF DER BAUSTELLE

Aus einer zufälligen Beobachtung entsteht die Idee für eine innovative Art der Betongestaltung. Mit Ausdauer und ohne Angst vor Fehlern entwickeln die Firmengründer ein innovatives Produkt und ein besonderes Unternehmen.

Schluss mit starren Strukturen, auf in neue Zeiten: Während die Studentenrevolte im Jahr 1968 die noch junge Bundesrepublik politisch umwälzt, gärt im Ruhrgebiet eine ganz eigene Revolution. Hans-Jürgen Wiemers sieht Beton nicht nur als zweckmäßiges Baumaterial, sondern erkennt dessen Potential als formbares Gestaltungsmittel. Hartnäckig und mit Innovationsgeist entwickelt er ein Produkt, das Ausdrucksstärke an die Fassade bringt: die RECKLI-Matrize.

Architekten erkennen in den 60ern das Potential von Fassaden, wenngleich deren Gestaltungsmöglichkeiten noch begrenzt sind. Beton muss mit Schalungen in Form gehalten werden, die sich mit all ihren Makeln in dem formbaren Material abzeichnen. Um ungewollte optische Effekte zu vermeiden, entscheiden sich viele Planer deshalb für Waschbeton. Durch Auswaschung wird das Gesteinskorn freigelegt, so ergibt sich eine regelmäßige Struktur an der Fassade.

Hans-Jürgen Wiemers will mehr als nur Waschbetonoberflächen. Er träumt davon, eintönige Fassaden hinter sich zu lassen zugunsten von abwechslungsreichen und technisch makellosen Betonoberflächen. Wiemers nennt die Fassade den „schwarzen Anzug“ eines Gebäudes. Als Außendienstler für einen Bauchemikalienhersteller begegnen ihm regelmäßig die Schwierigkeiten bei der Gestaltung von Sichtbetonoberflächen: Die Arbeiter vor Ort klagen ihm ihr Leid über die technischen Hindernisse und optischen Mängel. Bei einem seiner Baustellenbesuche kommt Wiemers die Eingebung, als ein LKW durch frischen Beton fährt und einen makellosen Reifenabdruck hinterlässt. Er erkennt, dass er mithilfe einer elastischen Schalungseinlage Strukturen in den Beton prägen kann. Doch sie muss widerstandsfähig genug für den Einsatz in der Bauindustrie sein und elastisch genug, um sie problemlos vom trockenen Beton abziehen zu können. 

Mit seiner Idee zieht er sich in seine Garage zurück, die ihm als Labor dient. Er holt sich die Hilfe bei seinem befreundeten Kunden Franz Ernst und engagiert einen Chemiker, um mit unzähligen Experimenten die richtige Zusammensetzung der Einlage zu ermitteln. Als das Rezept ein halbes Jahr später steht, gründen Wiemers und Ernst als Partner im August 1968 das Unternehmen RECKLI.

Wiemers und Ernst ermitteln die zulässigen Höchstmaße für Matrizen und entwickeln Produktionsstandards. Die Produktion erfolgt größtenteils per Hand, weil es keine Maschinen für die Fertigung von elastischen Schalungseinlagen dieser Art und Größe gibt. Außerdem stellt die Fertigung in Handarbeit sicher, dass jedes Detail ihres Produkts den Qualitätsansprüchen der Gründer gerecht wird. Der Machergeist und die im Ruhrpott so verbreitete zupackende Art hilft ihnen beim Engagement der ersten Mitarbeiter: Die Angestellten der ersten Stunde sind begeistert von der Möglichkeit, ein junges Unternehmen zum Erfolg zu führen und eine neue Produktidee zu verwirklichen.

Ernst und Wiemers lassen ihren Mitarbeitern weitgehend freie Hand, befürworten den stetigen Meinungsaustausch und flache Hierarchien. So können innovative Ideen auf allen Ebenen zirkulieren. Fehler werden nicht verdammt, sondern als Teil des Entwicklungsprozesses akzeptiert. Zum Startup-Geist der Gründer gehört die Bereitschaft zu offenen Diskussionen und gemeinsamer Lösungssuche.

Um die Matrizen auf den Markt zu etablieren, braucht es nach Produktentwicklung und Aufbau der Unternehmensstrukturen eine Werbeoffensive. Wiemers und Ernst entwickelten die Kernbotschaft: RECKLI-Matrizen verschaffen dem Kunden einen Vorteil und erleichtern ihm die Arbeit. Um den Kunden davon zu überzeugen gehen die Gründer zunächst auf regionale Marketingtour, bald folgen Messestände und die ersten grenzüberschreitenden Kontakte. Schon 1971 schließt RECKLI Partnerschaften in Frankreich, Italien und der Schweiz sowie den Benelux-Staaten ab. Zwei Jahre später ist das junge Unternehmen in ganz Westeuropa verzweigt.

Doch nach den ersten großen Erfolgen sieht sich das Unternehmen mit der ersten großen Herausforderung konfrontiert. Die Ölkrise versetzt Politiker in Aufruhr und stürzt die deutsche Wirtschaft in eine Krise. Neben den ökonomischen Folgen ist RECKLI auch ganz direkt betroffen: Öl ist einer der Rohstoffe für die Herstellung der Matrizen – Verknappung und Preisanstieg können katastrophale Folgen für die Produktionssicherheit haben. Die morgendlichen Preise sind am Nachmittag schon überholt. Die jungen Unternehmer reagieren. Sie verhandeln Preisbindungen und langfristige Lieferverträge, diversifizieren ihre Lieferantenstruktur und überdenken ihre Vorratshaltung. Als sich die Situation 1974 langsam zu erholen beginnt, können Wiemers und Ernst aufatmen: Sie haben ihre erste große Bewährungsprobe überstanden. 1975 nimmt das Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit dem Mittleren Osten auf und liefert erste Matrizen nach Saudi Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Zehn Jahre nach seiner Gründung hat sich RECKLI einen Platz in einem Nischenmarkt erobert und als Produzent von hochwertigen Produkten einen Namen gemacht.

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