Citadella, Budapest, Ungarn
Auf dem Gipfel des Gellért-Berges thront ein Monument, das einst Angst verbreiten sollte und heutzutage für Freiheit steht. Die umfassende Restaurierung der Citadella vereint historisches Denkmal und zeitgenössisches Betonhandwerk zu einem der außergewöhnlichsten Bauprojekte Ungarns.

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ProjektZitadelle
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OrtBudapest, Ungarn
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NutzungÖffentliche Einrichtungen
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ArchitekturbüroArt1st Design Stúdió
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BauunternehmenGanaco
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FotosGyörgy Palkó
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KategorieStein & Mauerwerk
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Produkt
Geschichte wird wieder erlebbar
Die Citadella auf dem Gellért-Berg zählt zu den geschichtsträchtigsten Orten Budapests. Zwischen 1850 und 1854 errichteten die Habsburger die Festung nach der Niederschlagung des ungarischen Freiheitskampfes als Symbol ihrer Macht. Vier Meter dicke Kalksteinmauern prägen das Bauwerk bis heute.
Nach dem Abzug der kaiserlichen Garnison im Jahr 1899 folgten Jahrzehnte wechselnder Nutzungen und zunehmenden Verfalls. Zwar wurde die Citadella 1987 Teil des UNESCO-Welterbes, doch blieb sie lange Zeit unzugänglich.
Mit archäologischen Untersuchungen begann 2020 die umfassende Restaurierung des historischen Ensembles. Seit Frühjahr 2026 ist die Citadella wieder als öffentlicher Kultur- und Begegnungsort geöffnet.

Denkmal trifft Zeitgenossenschaft
Felsgestein
Die Herausforderung war enorm: Ein über 170 Jahre altes Festungsensemble sollte in einen lebendigen, barrierearmen Stadtpark verwandelt werden, ohne die authentische Substanz zu verlieren. Die Unternehmen ZÁÉV Építőipari Zrt. und Market Építő Zrt. teilten sich die Umsetzung der verschiedenen Baubereiche, darunter das Rondell, die Schutzmauern, die Flügelbauten, die Glashalle, der Innenhof sowie die Promenadenwege. Die Planungen lieferten Art1st Design Stúdió und Pagony Táj- és Kertépítész Kft.
Insgesamt wurden rund 15.000 m² Felsgestein abgetragen, 750 m² weißer und knapp 7.000 m² grauer Beton eingebaut sowie mehr als 445 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut. Drei neue Zugänge öffneten die bislang geschlossene Festung nach außen: am Nordtor, am Südtor der Rondelle und an der Ostbastei. Hier entstand der entscheidende architektonische Dialog zwischen Alt und Neu.
Weißbeton im Dialog mit Naturstein
Die drei neuen Eingangsportale bilden die Schnittstelle zwischen dem historischen Kalksteinmauerwerk und der Gegenwart. Daher entschieden sich die Planenden und Bauherren für ein klares zeitloses Signal: Weiße, vorgehängte Fertigbeton-Kéregpaneele (Schalenpaneele). Ihr helles Erscheinungsbild tritt in bewussten Kontrast zu den von Zeit gezeichneten, rötlich-grauen Steinen der Festung.
An der Südostbastei führt eine aus fünf Meter hohen, geneigten Betonscheiben geformte Treppenanlage vom neuen Eingang zum Innenhof. Die Einzelelemente wiegen bis zu 2,2 Tonnen und wurden per Autokran in die endgültige Position gehoben, gesichert durch maßgeschneiderte Edelstahlbefestigungen, die ausschließlich für dieses Projekt entwickelt wurden.

Teil eines geschichtsträchtigen Restaurierungsprojekts
Mit der Restaurierung der Citadella entstand ein Projekt, das historische Identität bewahrt und zugleich neue öffentliche Räume für die Zukunft schafft. Wir sind stolz darauf, mit unserer Strukturmatrize Fichtelberg Teil dieses geschichtsträchtigen Projekts zu sein und zur architektonischen Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart beigetragen zu haben.
Gerade bei Projekten mit historischer Bedeutung zeigt sich, wie wichtig Materialien und Oberflächen für die Wirkung eines Bauwerks sind. Dass unsere Strukturmatrize Teil dieser Neugestaltung geworden ist, freut uns besonders.
Dóra Fáczán, Area Sales Manager Ungarn
Struktur mit Tiefe und Charakter
Für die Oberflächengestaltung der Betonfertigteile an den Eingangsportalen entschieden sich die Planer für zwei RECKLI Formliner: RECKLI 2/157 Fichtelberg und RECKLI 2/201 Mecklenburg. Gemeinsam erzeugen sie ein ausgewogenes architektonisches Erscheinungsbild, das strukturierte Tiefe mit ruhigen, monolithischen Flächen verbindet.
Mit dem Formliner Fichtelberg wurden rund 350 m² Betonfertigteile hergestellt. Seine organisch-tektonische Struktur erinnert an natürliche Gesteinsschichtungen und Verwerfungen und tritt dadurch in einen spannungsvollen Dialog mit dem historischen Mauerwerk der Festungsanlage. Die strukturierte Oberfläche verleiht der Architektur Tiefe, Schattenwirkung und eine starke Materialität.
Zusätzlich wurden rund 300 m² Betonfertigteile mit dem Formliner Mecklenburg produziert. Er kam für die „glatten“ Sichtbetonelemente des Projekts zum Einsatz. Seine fein nuancierte Oberflächenstruktur sorgt für eine ruhige und homogene Wirkung und bewahrt gleichzeitig die Materialauthentizität und Präzision hochwertiger Architekturbetone.
Die Fertigung erfolgte im Betonfertigteilverfahren und gewährleistete die Maßgenauigkeit sowie die Oberflächenqualität, die für die Montage der geneigten Elemente mit ihren komplexen Edelstahlverbindungen erforderlich waren. Der Einsatz von Weißzement unterstreicht die helle, monolithische Erscheinung der Betonoberflächen und verleiht der Architektur eine zeitgemäße und selbstbewusste Präsenz.

Neue Räume für Freiheit und Begegnung
Die Citadella ist heute weit mehr als ein restauriertes Denkmal. Im Innern der westlichen Rondelle lädt die Ausstellung "A Szabadság Bástyája" (Die Bastion der Freiheit) auf rund 2.000 m² zu einer Reise durch die ungarischen Freiheitskämpfe ein.
Ein spektakuläres Glasempfangsgebäude mit acht raumhohen Leimholzglasträgern von je 14 Metern Spannweite verbindet das historische Gemäuer mit dem Ausstellungsraum. 14 einzelne Glasdachelemente überspannen das Atrium und setzt den Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart fort.
Im Innenhof spiegelt ein Wasserbecken mit ewiger Flamme das Licht des Himmels: Ein Symbol der kollektiven Erinnerung. Rundherum entstand ein 6.000 m² großer öffentlicher Park, in dem mehr als 630.000 Pflanzen erstrahlen.
Von vier neuen Aussichtsterrassen erschließt sich Budapest in seiner ganzen Panoramafülle: Die Dachterasse der Rondelle sowie drei weitere Plattformen bieten eine vollständige 360-Grad-Ansicht.






