Mumbles Sea-Hive-Projekt - Teil 2, Swansea, Wales

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ProjektMumbles Sea-Hive-Projekt
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OrtSwansea, Wales
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Nutzung
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Bauunternehmen
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Kategorie
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Produkt
Die Frage: Welche Struktur funktioniert am besten?
In Mumbles, einem Küstenort an der walisischen Swansea Bay, wurde die Seemauer auf rund 1,2 Kilometern erneuert. Sie soll Promenade, Gebäude und Menschen vor Sturmfluten, Erosion und steigenden Meeresspiegeln schützen.
Das Projekt verfolgte jedoch noch ein weitergehendes Ziel: die Schaffung von neuem Lebensraum für Algen, Seepocken, Napfschnecken und andere Meeresorganismen, die sich an der Grenze zwischen Stadt und Meer ansiedeln können.
Damit wurde aus einer technischen Infrastruktur ein Projekt, das Ingenieurbau, Forschung, Gestaltung und ökologische Verantwortung miteinander verbindet.
Am Anfang stand eine Forschungsfrage der Swansea University: Welche Oberflächenstruktur bietet Meereslebewesen die besten Bedingungen, um sich an einer künstlichen Küstenbefestigung anzusiedeln?
Unter der Leitung von Dr. Ruth Callaway wurden im Rahmen des Mumbles Sea-Hive-Projekts unterschiedliche Strukturen direkt an der bestehenden Seemauer getestet. Dabei ging es nicht nur um die optische Wirkung der Oberfläche, sondern um ihre ökologische Leistungsfähigkeit.
Getestet wurden hexagonale Betonplatten mit verschiedenen Reliefs, Höhen und Ausrichtungen. Einige Strukturen verliefen horizontal, andere vertikal oder schräg. Auch die Position an der Wand spielte eine wichtige Rolle, denn je nach Höhe waren die Flächen unterschiedlich lange von Wasser bedeckt.

Die Testphase an der Promenade
Über einen Zeitraum von rund zwölf Monaten wurde beobachtet, welche Strukturen besonders gut von Meeresorganismen angenommen wurden. Ein wichtiger Partner während der Trial Phase war dabei unser Kunde Cubex. Das Unternehmen produzierte sämtliche UHPC-Hexagonplatten für das Testfeld und nutzte unser PU Elastomer A60, um neben den wissenschaftlich entwickelten Teststrukturen auch individuelle Oberflächen mit Austern- und Korallenmotiven herzustellen. Diese maßgeschneiderten Muster verdeutlichten bereits in der Testphase, wie sich funktionale Anforderungen mit gestalterischer Freiheit verbinden lassen und welches Potenzial individuell strukturierte Betonoberflächen für ökologische Küstenprojekte bieten.
Auch die lokale Bevölkerung wurde einbezogen. Bürgerinnen und Bürger konnten die Entwicklung der Testflächen verfolgen, Beobachtungen teilen und sogar mitentscheiden. Die Promenade wurde dadurch zu einem offenen Labor.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Testphase zudem durch die öffentliche Präsentation vor Ort. Eine bekannte TV-Persönlichkeit stellte das Projekt während der Trial Stage vor und machte das Thema ökologische Küsteninfrastruktur einem breiteren Publikum zugänglich.

Von der Auswertung zur Umsetzung
Nach zwölf Monaten wurden die Testflächen ausgewertet. Entscheidend war, welche Strukturen Algenwachstum, Ansiedlung von Lebewesen und langfristige Biodiversität am besten unterstützten.
Die Ergebnisse zeigten: Rauere, stärker gegliederte Oberflächen mit Vertiefungen, Kanten und geschützten Zwischenräumen bieten marinen Organismen bessere Bedingungen als glatte Betonflächen.
Für die Umsetzung der neuen Seemauer wurde die RECKLI Struktur Kerry genutzt. Sie verbindet eine natürliche, felsartige Anmutung mit einer Oberfläche, die ökologische Funktionen übernehmen kann.
Was in der Testphase als einzelnes Element begann, musste für die tatsächliche Küstenschutzanlage in einen größeren Maßstab übertragen werden.
RECKLI produzierte dafür Strukturmatrizen, mit denen die ausgewählte Struktur zunächst reproduzierbar hergestellt und anschließend auf größere Flächen übertragen werden konnte.
Die Realisierung der strukturierten Betonelemente erfolgte dann direkt vor Ort auf der Baustelle. Präzise, wiederholbar und angepasst an die Anforderungen der langen Küstenschutzanlage.
Eine Mauer mit zwei Funktionen
Die neue Seemauer folgt einem klaren Aufbau. Im oberen Bereich schützt die Konstruktion vor Wellen, Sturmfluten und Überspülung. Im unteren Bereich prägen strukturierte Betonflächen das Erscheinungsbild.
In den Bereichen, die regelmäßig Gezeiten, Feuchtigkeit und Meeresleben ausgesetzt sind, bilden die profilierten Oberflächen wertvolle Mikrostrukturen. Vertiefungen, Kanten und unregelmäßige Reliefs bieten Halt, Schatten und geschützte Bereiche.
Dadurch erfüllt die Küstenmauer nicht nur ihre klassische Schutzfunktion, sondern entwickelt sich zugleich zu einem potenziellen Lebensraum.
Ergänzt wurde das Projekt durch ein weitere Strukturmatrize: Via Aurelia.
Am oberen Abschluss der Mauer begleitet diese Struktur den gesamten Weg entlang der Promenade. Über rund 1,2 Kilometer entsteht dadurch ein ruhiger, durchgängiger Gestaltungshorizont.
Während Kerry im unteren Bereich die raue, felsartige Küstenlandschaft aufgreift und ökologische Funktionen unterstützt, verleiht Via Aurelia dem oberen Wandbereich eine klare architektonische Linie.

Erinnerungsorte in der Mauer
Zwischen den mit Via Aurelia gestalteten Mauerabschnitten wurden zudem künstlerisch gestaltete Gedenkelemente eingebunden. Sie verleihen dem Projekt eine lokale, erinnernde Ebene und schaffen entlang der Promenade Orte zum Innehalten. Zugleich gliedern sie die Länge der Mauer und verankern das Bauwerk stärker im Ort.
Das Mumbles Coastal Protection Project zeigt, wie Strukturmatrizen weit über die Gestaltung von Betonoberflächen hinauswirken können.
Sie machen es möglich, wissenschaftliche Erkenntnisse aus einer Testphase in eine großflächige bauliche Anwendung zu übertragen. Aus einzelnen Versuchsfeldern entstand eine Küstenschutzanlage, die Sicherheit bietet, Biodiversität fördert und den öffentlichen Raum aufwertet.
Mumbles zeigt damit, wie Infrastruktur künftig gedacht werden kann: widerstandsfähig, ortsbezogen und offen für neues Leben.




