Universitätsbibliothek Paul Sabatier, Toulouse, Frankreich
Toulouse ist seit Jahrzehnten eng mit Wissenschaft, Forschung und technologischer Innovation verbunden. Besonders sichtbar wird diese Identität auf dem Campus der Université Paul Sabatier. Die Universität trägt den Namen des Toulouser Chemikers Paul Sabatier, der 1912 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Der Campus in Rangueil wurde ab den 1960er-Jahren als weitläufiger Wissenschaftsstandort entwickelt und prägt mit seiner funktionalistischen Betonarchitektur bis heute das Erscheinungsbild der Universität.

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ProjektUniversitätsbibliothek Paul Sabatier
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OrtToulouse, Frankreich
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Nutzung
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Architekturbüro
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Kategorie
Die 1960er-Jahre neu gedacht
Im Zentrum des Campus steht die Universitätsbibliothek für Naturwissenschaften. Das ursprüngliche Bibliotheksgebäude war in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr den Anforderungen eines modernen Hochschulbetriebs. Im Zuge einer umfassenden Restrukturierung und Erweiterung entstand nach Plänen von Espagno-Milani und den beteiligten Architekten ein neuer Bibliotheksbau, der die Architektur des bestehenden Campus aufgreift und gleichzeitig eine neue gestalterische Identität formuliert. Das Projekt wurde 2010 fertiggestellt.


Ein Bilderbuch aus Beton
Das prägende Element des Neubaus ist sein langgestreckter, geschlossener Baukörper über einem weitgehend transparenten Erdgeschoss. Die massive Betonfassade scheint dadurch über dem gläsernen Sockel zu schweben. Doch erst beim näheren Hinsehen offenbart der Beton seine eigentliche Besonderheit: In seine Oberfläche sind Bilder eingeschrieben.
Mithilfe der Fotogravur wurden Motive aus Wissenschaft und Forschung auf die Betonoberfläche übertragen. Zu erkennen sind unter anderem Paul Sabatier, Marie Curie und Louis Pasteur sowie die Ariane-Rakete, die verschiedene Bereiche der Wissenschaft und Forschung an der Universität repräsentieren. So wird die Fassade zu einem visuellen Ausdruck der wissenschaftlichen Identität der Universität.
Sichtbar durch Licht und Schatten
Die Motive sind nicht auf den Beton aufgebracht, sondern entstehen aus seiner Oberfläche selbst. Die Fotogravur übersetzt Bildinformationen in ein feines Relief. Abhängig vom Lichteinfall und vom Standort des Betrachters treten die Darstellungen unterschiedlich deutlich hervor. Aus der Entfernung verbinden sich die einzelnen Abstufungen zu Bildern; beim Näherkommen löst sich das Motiv zunehmend in die Struktur des Betons auf. Gerade dieses Wechselspiel von Licht, Schatten, Bild und Material verleiht der Fassade ihren besonderen Charakter.

Zwischen Wissenschaftstradition und Zukunft
Besonders spannend ist das Projekt im Kontext des Campus Rangueil. Die ursprüngliche Anlage ist stark von der Betonarchitektur der 1960er-Jahre geprägt. Mit der Erweiterung der Bibliothek wird dieses Material nicht verdrängt, sondern neu interpretiert. Toulouse Tourisme beschreibt die Bibliothek heute sogar als zentralen „Totem“ des Campus, an dem der fotogravierte Beton der 2010er-Jahre den Funktionalismus der 1960er-Jahre ergänzt.
Dank Fotogravur verbindet die Universitätsbibliothek mehrere Zeitebenen miteinander: die Geschichte des Wissenschaftsstandorts, die architektonische Identität des Campus und die Forschung der Gegenwart.

